Grippe März 2026: RKI meldet erhöhte Aktivität bei Über-60-Jährigen – das sind die Warnzeichen

Der März 2026 macht seinem Ruf als trügerischer Frühlingsmonat alle Ehre: Während die ersten Tage die Hoffnung auf wärmere Temperaturen wecken, meldet das Robert Koch-Institut (RKI) eine erhöhte Grippewelle-Aktivität – mit einem klaren Schwerpunkt bei Menschen über 60 Jahren. Die Übergangszeit zwischen Winter und Frühling ist immunologisch heikel: Der Körper hat monatelange Kälte, reduzierte Sonneneinstrahlung und die üblichen Atemwegsinfekte der Wintermonate hinter sich, das Immunsystem zeigt sich mitunter erschöpft.

Wer zu dieser Risikogruppe gehört oder Menschen in seinem Umfeld hat, die älter als 60 sind, sollte die aktuellen Warnsignale kennen – und wissen, wann ein Grippeverdacht zwingend ärztliche Abklärung erfordert. Denn zwischen einem harmlosen Frühjahrschnupfen und einer behandlungspflichtigen Influenza liegen entscheidende Unterschiede, die sich körperlich klar zeigen.

Was das rki aktuell meldet

Das Robert Koch-Institut beobachtet den Verlauf von Atemwegserkrankungen in Deutschland über das Sentinelsystem – ein Netzwerk von Hausarztpraxen und Kinderkliniken, das repräsentative Daten zu Grippefällen liefert. Die Auswertungen der aktuellen Saison zeigen eine erhöhte Influenza-Aktivität für die Altersgruppe ab 60 Jahren, also eine über dem saisonalen Erwartungswert liegende Häufigkeit von Erkrankungen, die durch die Influenzaviren A oder B ausgelöst werden.

Das bedeutet nicht automatisch Alarm – aber es ist ein klares Signal, Symptome in dieser Altersgruppe ernster zu nehmen als sonst. Gerade im März, wenn die Erkältungswelle des Winters noch nicht vollständig abgeklungen ist, besteht die Gefahr, eine echte Grippe mit einem gewöhnlichen Schnupfen zu verwechseln.

Grippe oder erkältung – der entscheidende unterschied

Die Verwechslungsgefahr ist groß, die Konsequenzen können es aber auch sein. Eine Erkältung – ausgelöst durch Rhinoviren, Adenoviren oder andere Erreger – beginnt schleichend: erst Halskratzen, dann laufende Nase, dann Husten. Eine echte Influenza hingegen trifft den Körper wie ein Hammer. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet Krankheitsbeginn aus voller Gesundheit: Noch vor wenigen Stunden hat man sich gut gefühlt, dann kommt innerhalb kürzester Zeit das volle Beschwerdebild.

SymptomErkältungGrippe (Influenza)
FieberbeginnSelten, wenn dann moderatPlötzlich, oft über 38,5 °C
ErschöpfungLeicht bis mäßigStark, oft bettlägerig
GliederschmerzenKaum vorhandenAusgeprägt, oft als „Knochenschmerzen" beschrieben
BeginnSchleichend über mehrere TageAbrupt innerhalb weniger Stunden
HustenHäufig, eher produktivTrocken, quälend, oft schmerzhaft
KopfschmerzenGelegentlichHäufig, stark ausgeprägt
SchnupfenMeistens vorhandenEher selten oder schwach

Die warnzeichen bei über-60-jährigen

Ab einem Alter von etwa 60 Jahren verändert sich die Immunantwort auf Influenzaviren. Die zelluläre Immunabwehr, die für die schnelle Erkennung und Bekämpfung von Viren zuständig ist, reagiert langsamer und weniger kraftvoll als in jungen Jahren. Das führt dazu, dass typische Grippesymptome bei älteren Erwachsenen manchmal weniger dramatisch erscheinen – was paradoxerweise gefährlicher ist, weil die Erkrankung dann unterschätzt wird.

Folgende Zeichen sollten in dieser Altersgruppe immer ernst genommen werden:

  • Plötzliches hohes Fieber (über 38,5 °C), das sich rasch entwickelt
  • Starke Abgeschlagenheit, die das Aufstehen oder normale Alltagshandlungen unmöglich macht
  • Atemprobleme: beschleunigter Atem in Ruhe, Engegefühl in der Brust, pfeifendes Atemgeräusch
  • Verwirrtheit oder Orientierungslosigkeit, auch wenn kein hohes Fieber vorliegt – ein neurologisches Warnsignal
  • Blaue Verfärbung der Lippen oder Fingernägel (Zyanose) – Zeichen für mangelnde Sauerstoffversorgung
  • Anhaltender Schwindel oder plötzliche Sturzneigung
  • Verschlechterung einer bekannten Vorerkrankung (Herzinsuffizienz, COPD, Diabetes): Grippe kann diese destabilisieren

„Bei älteren Patientinnen und Patienten verläuft die Grippe häufig atypisch – das Fieber kann fehlen oder niedrig bleiben, während bereits eine Pneumonie im Entstehen ist. Verändertes Verhalten, Verwirrtheit oder eine ungewohnte Schwäche sind oft die ersten Alarmzeichen, die Angehörige ernst nehmen sollten."

Wann sofort zum arzt – oder den notruf rufen

Die hausärztliche Konsultation ist bei Grippeverdacht in dieser Altersgruppe grundsätzlich empfehlenswert, nicht erst wenn es „wirklich schlimm" wird. Ein Arztbesuch ist dringend geboten bei:

  • Fieber über 39 °C, das auf gängige Mittel nicht anspricht
  • Atemfrequenz von mehr als 25 Atemzügen pro Minute in Ruhe
  • Anhaltenden Brustschmerzen oder Druckgefühl in der Brust
  • Symptomen, die nach fünf bis sieben Tagen nicht besser werden oder die sich nach kurzer Besserung wieder verschlechtern
  • Bestehenden Grunderkrankungen wie Herzinsuffizienz, Nierenerkrankung, immunsuppressiver Therapie oder Diabetes

Den Notruf 112 rufen, wenn Atemnot in Ruhe auftritt, Bewusstsein getrübt ist oder die betroffene Person nicht mehr ansprechbar ist.

Was die wissenschaft zur risikogruppe sagt

Die erhöhte Vulnerabilität älterer Menschen gegenüber Influenza ist wissenschaftlich gut dokumentiert. Laut Daten des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) entfällt ein unverhältnismäßig hoher Anteil grippebedingter Krankenhauseinweisungen und Todesfälle auf die Altersgruppe ab 60 Jahren – selbst in Jahren mit moderater Grippewelle. Die Ursachen liegen in einer nachlassenden Immunseneszenz, also dem altersbedingten Rückgang der Immunfunktion, sowie in der höheren Prävalenz von Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen, die durch Influenza destabilisiert werden können. Studien zeigen außerdem, dass die grippebedingte Sterblichkeit in milden Wintern nicht automatisch sinkt – weil der Körper bei unerwarteten Infektionswellen im Frühjahr unvorbereitet ist.

Schutz und prävention: was jetzt noch möglich ist

Die Grippeschutzimpfung ist die wirksamste Einzelmaßnahme zur Prävention schwerer Influenzaverläufe. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für Personen ab 60 Jahren einen Hochdosis-Grippeimpfstoff oder einen adjuvantierten Impfstoff, der eine stärkere Immunantwort auslöst als Standardpräparate. Auch wenn der optimale Impfzeitpunkt im Herbst liegt, kann eine Impfung im März – sofern noch keine Grippe durchgemacht wurde – noch einen gewissen Schutz für die verbleibende Saison bieten. Darüber hinaus bleibt regelmäßiges und gründliches Händewaschen eine der effektivsten Alltagsmaßnahmen: Influenzaviren überleben auf glatten Oberflächen mehrere Stunden.

Zu hause gesunden – was hilft, was nicht

Wer eine unkomplizierte Grippe zu Hause auskuriert, sollte auf vollständige körperliche Schonung setzen – Sport oder körperliche Anstrengung in den ersten Tagen ist bei Influenza kontraindiziert und kann das Risiko einer Myokarditis, also einer Herzmuskelentzündung, erhöhen. Viel trinken – bevorzugt stilles Wasser, Kräutertees oder klare Suppen – hilft, den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen auszugleichen. Antivirale Medikamente wie Oseltamivir können bei rechtzeitigem Einsatz (innerhalb der ersten 48 Stunden nach Symptombeginn) den Krankheitsverlauf verkürzen – ob und wie sie eingesetzt werden, entscheidet ausschließlich der Arzt, da sie verschreibungspflichtig sind und Wechselwirkungen haben können.

Fragen und Antworten

Kann man im märz noch gegen grippe impfen lassen?

Ja, eine Impfung im März ist grundsätzlich möglich, sofern man in dieser Saison noch keine Influenza durchgemacht hat. Der Schutz baut sich innerhalb von etwa zwei Wochen auf. Bei anhaltender Grippewellenaktivität kann das noch einen sinnvollen Beitrag leisten. Sprechen Sie Ihren Hausarzt darauf an.

Wie lange ist man bei einer grippe ansteckend?

Erwachsene sind in der Regel einen Tag vor dem Auftreten der ersten Symptome bis etwa fünf bis sieben Tage nach Erkrankungsbeginn ansteckend. Bei älteren Menschen oder solchen mit geschwächtem Immunsystem kann die Ansteckungsperiode länger dauern. Während der akuten Erkrankung sollten enge Kontakte zu anderen, insbesondere zu vulnerablen Personen, vermieden werden.

Was ist der unterschied zwischen grippe und grippalem infekt?

Der grippale Infekt – umgangssprachlich auch „Erkältung" genannt – wird durch verschiedene Viren ausgelöst und beginnt schleichend mit eher milden Symptomen. Die echte Grippe (Influenza) entsteht durch spezifische Influenzaviren und ist durch den abrupten Beginn, hohes Fieber und ausgeprägte Erschöpfung charakterisiert. Eine zuverlässige Unterscheidung ist nur über einen Schnelltest beim Arzt möglich.

Sollten angehörige bei einem grippeverdacht älterer personen besonders wachsam sein?

Ja, das ist ausgesprochen wichtig. Ältere Menschen unterschätzen ihre eigenen Symptome oft oder nehmen Verwirrtheit und Schwäche nicht als Krankheitszeichen wahr. Angehörige sollten regelmäßig nach dem Befinden fragen, auf Veränderungen in Verhalten und Reaktionsvermögen achten und bei Zweifeln nicht zögern, den Hausarzt anzurufen oder – bei schweren Zeichen – den Notruf zu wählen.

Ist fiebersenkung bei der grippe immer sinnvoll?

Nicht unbedingt. Fieber ist eine natürliche Immunreaktion des Körpers und hilft, Viren zu bekämpfen. Bei moderatem Fieber und guter Verträglichkeit ist eine medikamentöse Fiebersenkung nicht zwingend erforderlich. Bei Werten über 39 °C, starkem Unwohlsein oder Vorerkrankungen, die durch hohes Fieber belastet werden (z. B. Herzerkrankungen), sollte die Behandlung mit dem Arzt besprochen werden.

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und Gesundheitsaufklärung. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden Symptomen, Atembeschwerden, hohem Fieber oder Verschlechterung des Allgemeinzustands wenden Sie sich bitte umgehend an Ihren Hausarzt oder ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) – in Notfällen rufen Sie bitte den Notruf 112 an.